Platz für große Sprünge / Die neue John Cranko Schule
Von EVA-MARIA MAGEL und RÜDIGER SOLDT, Fotos FRANK RÖTH

FAZ 06.01.2022

Pressemitteilungen

Auszüge aus den Kritiken zur Premiere "Kreationen" Badisches Staatstheater Karlsruhe

"(…) Der Vertrauensvorschuss für die jungen ist in der aktuellen Prämiere belohnt worden. Sehr versiert und durchaus individuell nutzt Terence Kohler, der zudem das raffinierte Videodesign konzipiert hat, ein auf dem klassischen Formenkanon fußendes, aber aktuell modifiziertes Bewegungsvokabular, um den Namenlosen Mann in seiner Choreografie in die Fänge einer imaginierten Welt einzuspinnen.

(…) In Birgit Keils Mannheimer Akademie des Tanzes wurde wie Kohler auch Thiago Bordin ausgebildet und war dort der bisher einzige Meisterschüler. Dass er ein ausgezeichneter Tänzer ist, hat Niederschlag in der sehr ästhetischen neoklassischen Tanzsprache von "Voices of Silence" gefunden. Auch Bordin ist mit seinen 22 Jahren schon ein reifer Choreograf, der es versteht, die Gruppenformationen, Soli und Duette nicht nur in schöne Bilder zu fassen sondern auch Inhaltlich einzusetzen."

Stuttgarter Zeitung, 04.04.2005

 

"(…) Direktorin Birgit Keil brachte beim Ballettabend unter dem Titel "Kreationen" vier Uraufführungen heraus, die unterschiedliche Weiterentwicklungen des Spitzentanzes und des Modern Dance zeigen. Zwei Sternstunden für das junge Ballett sind daraus geworden in denen auf der klassischen Ballettkunst fußenden Karlsruher bewiesen haben, wie gut sie das Neue tanzen können.
(…) Thiago Bordin, Birgit Keils ehemaliger Meisterschüler, frisch mit dem Deutschen Tanzpreis als Nachwuchschoreograf gekürt, hat viele Ideen, wie man effektvoll Tänzer verschwinden lassen kann und komplizierte Hebefiguren in perfekter Umgarnung kreiert.
(…) Der zweite Youngster des "Kreationen"-Abends, Terence Kohler (21-jährig, aus Australien), wird von Vladimir Klos bei den Kostümen unterstützt."

Badisches Tagblatt, 04.04.2005

"So kann die 'Tanzstiftung Birgit Keil' nach noch nicht einmal zwei Jahren auf eine Bilanz zurückblicken, dank derer sie inzwischen als ein integraler Bestandteil der Stuttgarter Ballettszene fest verankert ist. Schon wieder ein neues 'Stuttgarter Ballettwunder'? Man registriert’s mit verblüfftem Staunen."

Horst Koegler anlässlich der Gala 97.

 

"[...] Als Birgit Keil, ehemals imagebildende Ballerina des Stuttgarter Balletts, zu dessen weltweitem Ruhm sie wie nur wenige beigetragen hat, und von dem es noch heute zehrt, vor fünf Jahren ihre Tanzstiftung gründete, da konnte selbst sie nicht wissen, welch einzigartiges Institut sie damit ins Leben gerufen hatte. damals war nämlich noch nicht abzusehen, dass sie später auch Direktorin der Mannheimer Akademie des Tanzes werden würde, was heute eine wundervolle Kombination des Gebens und Nehmens ausmacht, von der alle profitieren, nicht zuletzt übrigens das tanzbegeisterte Publikum. Keil wollte zunächst erstens Geld für Stipendien beschaffen und zweitens jungen Tänzern Auftrittsmöglichkeiten zu ihrer künstlerischen Weiterbildung bieten.
Die Liste der von ihr Geförderten ist beachtlich lang und reicht von Alicia Amatriain, die heute beim Stuttgarter Ballett tanzt, über Dezideriu Oltean (Essen), Veronika Kornova (Mannheim), Kamel Pavelka (Wien) und Remus Sucheana (Mainz) bis zu Yi-Yi Guan (Leipzig), womit, bei bisher 50 Stipendiaten, weitaus mehr verschwiegen, als genannt worden sind.
Und was die Fortbildung junger Profis angeht, so sprechen Produktionen wie 'Kaleidoskop', bei dem viele junge Tänzer mit großen Choreografen wie Eliot Feld, Heinz Spoerli, Daniela Kurz, Joachim Schlömer, Nacho Duato, Maja Plissetzkaja und anderen, Stücke kreieren konnten, das abendfüllende 'Das Rauschen der Blauen Tür' von Sven Sören Beyer und das 'Dornröschen für Kinder' (auch das ist nur eine Auswahl) eine beredte Sprache.
Nun hat sich der glückliche Umstand ergeben, dass Birgit Keil vor drei Jahren die Leitung der Akademie des Tanzes in Mannheim übernommen hat. Damit haben sich ihre Möglichkeiten immens vermehrt. Sie kann jetzt Stipendiaten auch in ihre eigenen Studiengänge aufnehmen, ihren Studenten Auftritte in den Vorstellungen ihrer Stiftung verschaffen, sie an Aufführungen des Mannheimer Nationaltheaters als gewissermaßen reguläre Tänzer teilnehmen lassen, ihnen also schon vor der eigentlichen Karriere Bühnenpraxis vermitteln.
Dies alles und noch viel mehr (für das soeben begonnene Studienjahr werden die Stücke 'Kadettenball' von Ivo Vana Psota und 'La Chambre' von Renato Zanella vorbereitet) erfordert einen außerordentlichen, selbstverständlich ehrenamtlichen Arbeitsaufwand, den Birgit Keil neben ihrer eigentlichen beruflichen Tätigkeit erbringen muss. Zum Glück stehen ihr dabei zahlreiche Helfer zur Seite, deren wichtigster und effektivster ohne Zweifel Vladimir Klos ist, seit Jahrzehnten Birgit Keils Lebensgefährte, ihr früherer Kollege beim Stuttgarter Ballett und wieder ihr heutiger als Dozent an der Akademie des Tanzes. [...]"

Bernd Krause "GALA 2000 - 5 Jahre Tanzstiftung Birgit Keil".

"In der kommenden Spielzeit werden die Akademie des Tanzes an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Mannheim, Leitung Frau Professor Birgit Keil und die Ballettsparte des Badischen Staatstheaters Karlsruhe, Leitung Ballettdirektor Pierre Wyss, auf Initiative des design. Generalintendanten Achim Thorwald und des Verwaltungsdirektors Wolfgang Sieber, eine in Deutschland einmalige und erstmalige Kooperation eingehen. Dieser zunächst auf zwei Jahre befristete Vertrag zwischen der Hochschule und dem Badischen Staatstheater ist mit der Option auf Verlängerung ausgestattet.

Ähnlich zu denen an anderen deutschen Häusern lediglich dünn gesäten und eher rückläufigen Opernstudios, werden in Form eines sogenannten "Ballettstudios" sieben durch Vortanzen ausgesuchte Topstudenten der Mannheimer Akademie in die Karlsruher Ballettcompanie integriert. Dadurch erhalten die Eleven die Möglichkeit, sich eine Spielzeit lang studienbegleitend innerhalb einer professionellen Ballettcompanie in der täglichen Praxis mit ihrem zukünftigen Metier zu befassen. Bereits bei der Aufführung während der Pressekonferenz am 14.06.02 bewiesen die sieben Tänzerinnen und Tänzer, dass die hochkarätige Arbeit von Frau Professor Keil in den letzten vier Jahren außerordentliche Früchte getragen hat.

In einer Zeit, in der insbesondere in der Ballettsparte in ganz Deutschland drastische Einsparungen vorgenommen werden, haben sich der Generalintendant Herr Thorwald, der Verwaltungsdirektor Herr Sieber und der Ballettdirektor Herr Wyss zudem darauf geeinigt, finanzielle Mittel in Form von Stipendien zur Verfügung zu stellen.

Das Niveau der Eleven wird es Wyss ermöglichen, diese sogar als volle Ensemblemitglieder in seine bevorstehende abendfüllende Uraufführung 'Und ich sah ...' - frei nach Motiven der Offenbarung des Johannes - am 18. Januar 2003 im Großen Haus einzusetzen.
Dieses Projekt soll ein Zeichen für eine bessere Eingliederung von Ballettabsolventen in ihre Berufswelt setzen."

Michael Hübl, BNN 2002

Pressestimmen

"[...] Birgit Keil ist ohne Zweifel die bedeutendste Deutsche Ballerina ihrer Zeit. Als Mitglied des Stuttgarter Balletts, seit John Cranko 1961 das Ensemble als Direktor übernahm, wurde ihr internationale Anerkennung sowohl in Europa als auch in Übersee durch weltweite Tourneen mit der Kompanie und durch Sologastauftritte gezollt. Diese Anerkennung beruht gleichermaßen auf ihrer makellosen Technik und ihrer perfekten klassischen Linie, wie auf ihrer warmen und mehr noch, ihrer femininen strahlenden Erscheinung.
Der internationale Rang den Birgit Keil genießt, ist begleitet von dem großen Respekt, den ihr ihr Publikum zu Hause in Stuttgart als Tänzerin und als Mensch entgegen bringt. Neben Marcia Haydée und Richard Cragun zählt sie zu den Persönlichkeiten des Stuttgarter Balletts, welche durch ihre Kunst und der langjährigen Zusammenarbeit zum Synonym des Ensembles wurden. Ihre Größe, Keil's brilliante Technik und lyrische Bühnenpräsenz haben sie zu einem außergewöhnlichen Ballerinentyp gemacht, mit langen Armen und Beinen und wunderschönen, weichen Armbewegungen. Ihre Erscheinung auf der Bühne und im täglichen Leben zeichnet sie durch eine stilvolle Eleganz aus. Birgit Keil ist eine exzellente Interpetin der großen führenden Rollen des klassischen Repertoires , welches sie bis heute tanzt. Ihre Technik wie auch ihre Erscheinung von narkotisierender Schönheit, hat Choreographen immer und immer wieder auf besondere Weise inspiriert, angefangen bei John Cranko, welcher im 2. Satz von "Initialen R.B.M.E" seinen Tribut zollt, eine Huldigung an die Tänzer Richard Cragun, Birgit Keil, Marcia Haydeé und Egon Madsen [...]"

Horst Vollmer in "International Dictionary of Ballet", 1993

"[...] Wann wurde ich zum ersten Mal auf Birgit Keil aufmerksam? Es muss im Jahre 1962 gewesen sein. Ich besuchte John zum ersten Mal in Stuttgart, wo er gerade die Kompanie übernommen hatte. John war von Birgit begeistert und überzeugt, dass sie eine Zukunft als Ballerina hatte. Ich persönlich war am meisten beeindruckt durch ihre Haltung, das Majestätische ihrer Hals- und Armlinie und die besondere Art ihrer inneren Hingabe, die sie sogar bei einer morgendlichen Probe im Ballettsaal zeigte. [...]"

Clive Barnes in "Birgit Keil - Portrait einer Ballerina", 1991

 

"[...] Das Geheimnis ihrer Eleganz ist die Linie. Die hat man als Tänzerin, oder man hat sie nicht. Gewiss man kann an ihr arbeiten, kann sie bis zu einem gewissen Grad verfeinern und sensibilisieren. Bei Birgit Keil scheint sie naturgegeben, ein Produkt des Instinkts eher denn das Ergebnis schweißtreibender Trainingsmühen im Zusammenwirken mit einem entschlossen seine Ziele verfolgenden Verstand. Das heißt nicht, dass sie nicht auch über einen hellwachen Verstand verfügte. Zufällig geschieht bei ihr nichts. Sie ist ein so durch und durch ästhetisches Geschöpf, dass es ihr unmöglich wäre, gegen das ihr immanente Gesetz der Ästhetik zu verstoßen. Und dessen tänzerische Inkarnation ist nun mal die Linie. [...]"

Horst Koegler in "Birgit Keil - Portrait einer Ballerina", 1991

 

"[...] Sie ist eine Ballerina, in deren Charakter sich Gefühl und Technik, Leidenschaft und Stil fließend miteinander verbinden. Ihr Tanzen ist ganz bildhaft, ganz Gedicht, das aus dem Herzen kommt. Cranko wusste genau, was er an seiner Stuttgarter Ballerina hatte. Sie gehörte auch zu seinen Stuttgarter Freunden. Ich bin sicher, heute wäre er ausgesprochen stolz auf sie, doch kein bisschen überrascht. [...]"

Clive Barnes in "Birgit Keil - Portrait einer Ballerina", 1991

 

"[...]Serge Lifar, sagenhaft als Tänzer, Schlitzohr, Schriftsteller, Ballettdirektor der Pariser Opéra hat es zu Beginn seines "Traktats über den Tanz" unnachsichtig deklariert und als unabdingbare Voraussetzung der Ballettklassik herausgestellt: die Schönheit des Menschen, seines Antlitzes wie seines Körpers.
[...]


Birgit Keil hat nicht nur Lifars Forderung bestrickend deutlich erfüllt, sie hat auch so schön getanzt wie sie aussah. Sie war eine Ballerina, wie sie im Märchenbuch steht.
[...]


Birgit Keil hat in denselben Ballettreihen Vladimir Klos als Lebensbegleiter gefunden. Mit ihm bildete Keil ein harmonisch geradezu traumtanzendes Paar.
[...]


Birgit Keil trug im Gemenge der Internationalität des Balletts auf anrührende Weise die deutschen Farben: Nationalballerina sozusagen einer Bundesliga des Tanzes.
[...]


Sie selbst schwärmte künstlerisch prachtvoll aus. John Cranko erkannte sofort das Anrührende ihrer tänzerischen Existenz, das geradezu Entwaffnende ihrer Schönheit. Tatsächlich – sie war jedermanns Herz-Dame, und zwar nicht nur in Crankos Choreografischem Kartenspiel. zur Strawinsky-Musik. In "Opus1" zu Anton Weberns Passacaglia drückte ihr, einer anderen mater dolorosa, Cranko den Leib Richard Craguns in die ergeben entfalteten Arme: ein unvergessliches Bild.
[...]


Birgit Keil hat viele Choreografen durch ihre Kunst inspiriert. Die Welt hat ihr gehuldigt; nicht nur die Tanzwelt allein. Auf unaufhörlichen Tourneen hat sie ihre faltenlose, doch facettenreiche Kunst vorgezeigt und Bewunderung in Fülle geerntet, eine dauerhafte Kunst noch dazu, unangetastet durch Schrunden und Niederungen des Tages, Trainingsterror oder Probenstress. Die sollen auch künftigen Tänzergenerationen erspart bleiben. Dafür will die von Birgit Keil zu ihrem Abschied von der Bühne ins Leben gerufene Tanzstiftung sorgen.
[...]


Immer erschien Birgit Keil ihrer Kunst und ihres Seins sicher: eine junge Dame auf Spitze , überaus talentiert, aber auch überaus gut gezogen. Tatsächlich - Birgit Keil war im Grunde ein hochgezüchtetes Kunstprodukt. Die Meißner Manufaktur hätte sie längst, wie einst die Pavlowa, in delikaten, höchst zerbrechlichen Ewigkeitsrang einer Porzellanskulptur fürsten müssen. Keine weit und breit, die dafür besser getaugt hätte. [...]"

Klaus Geitel